Über mich

 



Was wird es wohl sein, was die Personengruppe Astronomen, Amateurastronomen, oder aber auch viele naturverbundene Menschen an einer sternklaren Nacht fasziniert. Ist es das Funkeln einzelner Sterne, oder das matte Leuchten des Milchstraßenbandes, das einen besonderen Reiz auf uns ausübt. Vielleicht ist das Wissen, oder Unwissen über die enormen Entfernungen und Vorgänge im Universum, die Frage nach dem Anfang und dem Ende die eine gewisse Neugierde in uns wecken. Oder ist es eine in uns verborgene Verbundenheit mit dem Kosmos, wohlwissentlich dass wir alle aus Sternenstaub bestehen.

Ich kann diese Fragen heute, mit 41 Jahren nicht vollständig beantworten, aber ich kann mich noch deutlich an das Gefühl in mir erinnern als ich als Junge während eines Winterspaziergangs in den Alpen von der Wucht unzähliger Sterne am Firmament fast erdrückt wurde. Ganz deutlich sind die Erinnerungen in mir als ich das erste mal eine Sternwarte betreten habe und das Glück hatte in einer hervorragenden Nacht den Mond, Jupiter, Saturn, sowie etliche Deepskyobjekte zu beobachten. Der Anblick der Mondoberfläche, dieser vielen karsten, zerklüfteten Regionen, die aber gleichzeitig fast wie mit Zementstaub überstreuten, feinen, filigranen, fast zerbrechlich wirkenden Strukturen erzeugten eine tiefe ehrfürchtige Stimmung in mir.


Mondnacht
(Joseph von Eichendorf)

Es wär, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Die Saturnringe und die Details auf der Jupiteroberfläche, der erste tiefe Blick in die Vergangenheit (2,8 Mio. Jahre) auf die Andromedagalaxie, all diese Eindrücke ließen mich vor lauter Aufregung die restliche Nacht nicht einschlafen. Die Krönung dieser Erlebnisse konnte ich aber auf meiner ersten Namibiareise 1999 auf der Farm Tivoli erleben. Der Sonnenuntergang, das Farbenspiel während der Dämmerung und die einsetzende Stille erzeugten eine besondere Ruhe in mir. Das kräftige, sehr plastisch wirkende leuchten der Milchstraße, vom Ost bis zum Westhorizont schufen einen 3D-Effekt, der mir die enorme Größe unserer Galaxie offenbarte und mich aber gleichzeitig an meine Winzigkeit und Unbedeutsamkeit in diesem Ganzen erinnerte. Die großartigen Details am südlichen Sternenhimmel, viele Messierobjekte die bereits mit freiem Auge sichtbar sind, sowie die beeindruckenden Beobachtungen durch das Teleskop erweckten eine Bescheidenheit, ja fast Beklommenheit in mir.

Es gibt aber auch eine andere, nach Perfektion strebende Eigenschaft in mir, die mich immer wieder an´s Teleskop treibt. Die für die Nacht ausgewählten Objekte möglichst optimal abzulichten, die Anforderungen der Technik hierbei zu beherrschen und bis in´s extrem auszunutzen, um dann als Abschluß "meine" Aufnahmen dieser Objekte betrachten zu können, all das erfüllt mich mit einem gewissen Stolz und gibt mir innere Ruhe und Zufriedenheit.

Wer allerdings den Virus Astronomie nicht in sich trägt wird mit diesen Ausführungen wenig, oder nichts anfangen können. Ich glaube aber dass viele Gleichgesinnte ähnliche Schlüsselerlebnise hatten und seitdem auf dem Pfad der ältestesten Wissenschaft der Menschheit wandeln. Faszinierende Erlebnisse, die sich auf vielen Bereichen der Astronomie erleben lassen bringen uns die besondere Freude bei der Beschäftigung mit der Astronomie. Dabei ist immer das Wissen im Hintergrund, ein winziges, fast unbedeutendes etwas, ein vergängliches Teil dieses wunderbaren Kosmos zu sein.

Bernd Wallner, Oktober 2004